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Web-Artikel aus dem ZEPPELIN POST JOURNAL

Ein Artikel einer jeden Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL wird als Web-Artikel nicht nur im ZEPPELIN POST JOURNAL abgedruckt, sondern zusätzlich auch im Internet unter www.eZEP.de veröffentlicht.

Dieser Artikel erschien in der Frühjahr2011 Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL .

Der Artikel ist zudem als pdf-Datei erhältlich .


 

 


Dieter Leder berichtet
100 Jahre Bordstempel


 

Am 10. April 1911 sollte das Luftschiff LZ-8 Deutschland von Baden-Oos nach Düsseldorf überführt werden. Unter der Führung von Dr. Eckener startete das Luftschiff um 11 Uhr in Baden-Oos in nördlicher Richtung. Um 11 Uhr 20 passierte das Luftschiff Karlsruhe und erreichte um 12 Uhr 25 Heidelberg. Die Fahrt führte über Darmstadt und um 13 Uhr 36 wurde in Frankfurt gelandet. In nördlicher Richtung wurde die Fahrt um 14 Uhr 56 fortgesetzt, aber nach nur 17 Kilometern kehrte das Luftschiff über Bad Homburg um und flog über Offenbach zurück nach Frankfurt, wo es um 16 Uhr 15 wieder landete.

Offiziell soll es das schlechte Wetter gewesen sein, das die Weiterfahrt von Frankfurt nach Düsseldorf verhinderte: Die von Dr. Hergesell im Bordbuch vermerkte Erklärung für den Fahrtabbruch liest sich jedoch anders: «Wegen zu wenig Wasserballast und zu vielen Passagieren (22) Fahrt abgebrochen.» Am nächsten Tag jedenfalls wurde die Fahrt fortgesetzt und LZ-8 Deutschland landete sicher in Düsseldorf.

Alleine die Geschichte dieser abgebrochenen Überführungsfahrt macht die Baden-Oos - Frankfurt - Düsseldorf Fahrt schon hoch interessant. Doch darüber hinaus hat diese Fahrt noch etwas mehr zu bieten: Erstmalig kam anlässlich dieser Fahrt der runde violette Bordstempel mit der Inschrift An Bord des Zeppelin Luftschiffes Deutschland in Verwendung. Es war ein nicht-postalischer Stempel, mit seinen Abschlägen wurde Anwesenheit an Bord des Luftschiffes dokumentiert.


Bordstempel vom Luftschiff LZ-8 Deutschland.


 

Der Sieger-Zeppelinpostkatalog als auch der Michel Zeppelinpostkatalog liefern jedoch unterschiedliche Erstverwendungen dieses Stempels. Während der Michel schreibt, dass der Stempel bereits auf der Fahrt von Baden-Oos nach Frankfurt zum Einsatz kam, ist sich der Sieger-Katalog nicht ganz so sicher, gemäß Sieger soll der Stempel erst ab Frankfurt im Einsatz gewesen sein.


LZ-8 Deutschland, 10 April 2011, Postabwurf Karlsruhe.


 

So widersprüchlich die beiden Angaben auch sind, so einfach gestaltet sich die Lösung dieses Widerspruchs. Auf der Fahrt von Baden-Oos nach Frankfurt wurde über Karlsruhe wie auch über Darmstadt Post abgeworfen, und sowohl die über Karlsruhe als auch die über Darmstadt abgeworfene Post trägt den violetten Bordstempel mit dem Datum vom 10. April 1911. Damit ist eindeutig nachgewiesen, dass sich der Bordstempel bereits auf der Fahrt von Baden-Oos nach Frankfurt an Bord befunden haben muss.


LZ-8 Deutschland, 10 April 2011, Postabwurf Darmstadt.


 

 LZ-8 Deutschland verunglückte bereits am 16. Mai 1911 in Düsseldorf, das Design des Bordstempels jedoch überlebte das Luftschiff LZ-8 Deutschland. Ähnliche Bordstempel in demselben Design aber mit geänderter Inschrift des Namens des Luftschiffes wurden noch für die Luftschiffe LZ-10 Schwaben, LZ-11 Viktoria Luise, LZ-13 Hansa und für LZ-17 Sachsen verwendet. Und auch nach dem ersten Weltkrieg führten noch zwei Luftschiffe einen solchen Bordstempel: LZ-120 Bodensee und LZ-127 Graf Zeppelin.

Die letztmalige Verwendung des Bordstempels auf LZ-127 Graf Zeppelin fand auf der 50. Fahrt statt, bei dieser Schweizfahrt am 15. November 1929 handelte es sich um die letzte Fahrt im Jahre 1929. Die weitere Verwendung des Bordstempels im Jahre 1930 wurde amtlicherseits durch das Reichspostministerium in Berlin unterbunden: Gemäß einem Schreiben vom 23. März 1930 war die Verwendung von Zeppelinstempeln ausschließlich auf amtliche, zuvor durch das Reichspostministerium genehmigte Stempel beschränkt. Das bedeutete das Ende der zahlreichen privaten Stempel, die man recht häufig auf der Zeppelinpost von 1929 findet. Auch bei dem Bordstempel von 1929 handelte es sich um einen privaten Stempel, Eigentümer war die Luftschiffbau Zeppelin GmbH.

Gemäß einer Fußnote auf Seite 94 des Sieger-Zeppelinpostkatalog wurde der rote Bordstempel des LZ-127 Ende 1929 zurückgezogen und vernichtet. Aber das ist nicht ganz richtig, wie die beiden abgebildeten Abschläge vom 21. Mai 1930 auf einer Speisekarte der Südamerikafahrt 1930 sowie vom 28. Juli 1931 auf einer Speisekarte der Polarfahrt dokumentieren.


Südamerikafahrt 1930, Speisekarte der Etappe Sevilla-Recife.


 

Wie man bei den Abschlägen auf den Speisekarten von 1930 und 1931 sieht, wurde der Bordstempel nicht vernichtet, sondern lediglich horizontal und vertikal eingekerbt, so dass der äußere Ring nunmehr unterbrochen ist. Diese Spätverwendung des Bordstempels nach 1929 auf nicht-postalischen Dokumenten fand somit im Einklang mit den Anweisungen des Reichspostministeriums statt.


Polarfahrt 1931, Speisekarte mit Unterschriften der Wissenschaftler an Bord.


 

Der Abschlag vom 28. Juli 1931 ist die letzte dokumentierte Verwendung des Bordstempels des LZ-127 Graf Zeppelin sowie die letzte Verwendung eines Bordstempels vor dem 2. Weltkrieg: Die anderen beiden Luftschiffe LZ-129 Hindenburg und LZ-130 Graf Zeppelin II führten keinen privaten Bordstempel.


Bordstempel des Zeppelin NT NZ D-LZZR BODENSEE.


 

< Und heute, 100 Jahren nach der erstmaligen Verwendung eines Bordstempels auf LZ-8, Deutschland am 10. April 1911? Das Design gibt es immer noch und wurde für die modernen Bordstempel der Neue-Technologie-Luftschiffe übernommen. Der erste moderne Bordstempel wurde am 18. September 1997 an Bord des NT-Luftschiffes D-LZFN Friedrichshafen verwendet, die Entwertung der Bordsiegelmarken ist die neue Aufgabe der modernen Bordstempel. Solche modernen Bordstempel gibt es auf allen vier NT-Luftschiffen D-LZFN Friedrichshafen, D-LZZR Bodensee, D-LZZF Baden-Württemberg und D-LZNT Eureka.


Erstverwendung eines modernen Bordstempels auf dem Zeppelin NT D-LZFN am 18. September 1997.


 


 

 


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