Allgemeine Information
Web-Artikel aus dem ZEPPELIN POST JOURNAL
Ein Artikel einer jeden Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL wird als Web-Artikel nicht nur im ZEPPELIN POST JOURNAL abgedruckt, sondern zusätzlich auch im Internet unter www.eZEP.de veröffentlicht.
Dieser Artikel erschien in der Sommer2010 Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL
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Der Artikel ist zudem als pdf-Datei erhältlich
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Jürgen Kalkbrenner berichtet
Bis Chile und dann nach Peru
Der belgische Bedarfsbrief zur Chicagofahrt des LZ-127 Graf Zeppelin ist als Brief der zweiten Gewichtsstufe (5 - 10 Gramm) portorichtig frankiert. Allzu viele Zeppelin-Bedarfsbelege nach Lima in Peru dürfte es zudem nicht geben.
Erst auf den zweiten Blick fällt einem dann der hell-violette Stempel unterhalb der Adresse auf: Recibida por Correo Ordinario, was so viel bedeutet, dass der Brief mit normaler Post angekommen ist. Ein auf der Chicagofahrt beförderter Luftpostbrief soll mit gewöhnlicher Post angekommen sein? Man muss sich erst die Stempel auf der Rückseite ansehen und auch einen Atlas zu Hilfe nehmen, um zu verstehen, was mit diesem Stempel gemeint ist.

Recibida por Correo Ordinario (Übersetzt: Mit normaler Post angekommen).
Mit dem Zeppelin wurde der Brief auf der Chiacagofahrt bis Recife befördert, dort übernahm der Conder-Flugdienst die Weiterbeförderung über Rio nach Buenos Aires, Ankunft dort war am Donnerstag, den 19. Oktober 1933. Mit der Pan American Airways ging es dann am Samstag (21. Oktober 1933) weiter über Santiago und am Montag, den 23. Oktober 1933 um 10 Uhr erreichte das Flugzeug planmäßig Arica/Chile. Dort wurde der Brief ausgeladen, wie der Ankunftsstempel von Arica vom 23. Oktober 10 Uhr dokumentiert.

Arica und Lima: Rückseite des Briefes mit den beiden Ankunftsstempeln.
Nur warum wurde der nach Lima/Peru adressierte Brief in Arica/Chile ausgeladen, wo die Pan American doch von Arica noch am selben Tag nach Lima weitergeflogen wäre? Der Ankunftsstempel von Lima datiert vom 30. Oktober 1933, eine Woche nach der Ankunft in Arica. Der Brief wurde demanch auch nicht mit einem anderen Flug, sondern auf dem Landweg nach Lima befördert.
Vielleicht wurde der Brief irrtümlich in Arica statt in Lima ausgeladen. Allerdings, gemäß dem Amtsblatt des Reichspostministeriums beförderte das Luftschiff nur Postsendungen, die nach bestimmten südamerikanischen Ländern adressiert waren - Peru gehörte nicht dazu. Europäische Luftpost nach Peru wurde damals mit der Pan American Airways über Nordamerika befördert.
Arica liegt in Nordchile, direkt an der Grenze zu Peru und Arica war die nördlichste zulässige Destination für Zeppelinpost. Wurde der nach Peru adressierte Brief daher vielleicht bewusst nur bis Arica/Chile befördert? Da der Brief die Strecke Arica - Lima auf dem Landweg zurücklegte, liegt diese Vermutung fast nahe. Nur wer hatte diese korrekte Beförderung veranlasst: Wurde vielleicht die Post schon in Friedrichshafen nur bis Chile versandt, oder hatte die Pan American Airways die nach Peru adressierte Zeppelinpost in Arica ausgeladen, um so auf diese unerwünschte Luftpost-Konkurrenz aufmerksam zu machen?