Allgemeine Information
Web-Artikel aus dem ZEPPELIN POST JOURNAL
Ein Artikel einer jeden Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL wird als Web-Artikel nicht nur im ZEPPELIN POST JOURNAL abgedruckt, sondern zusätzlich auch im Internet unter www.eZEP.de veröffentlicht.
Dieser Artikel erschien in der Frühjahr2010 Ausgabe des ZEPPELIN POST JOURNAL
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Der Artikel ist zudem als pdf-Datei erhältlich
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Rob Brumleve und Jonas Lanter berichten
An Bord der Vaduz Fahrt 1931
Mit der Vaduz-Lausanne-Fahrt des LZ-127 Graf Zeppelin vom 10. Juni 1931 verbindet man zunächst liechtensteinische Post, die in Vaduz vom Luftschiff aufgenommen und später in Lausanne wieder abgeworfen wurde. Denn speziell zu dieser Fahrt wurden zwei liechtensteinische Zeppelinpostmarken zu 1 und 2 Franken herausgegeben.

Liechtensteinische Postkarte frankiert mit der 1 Franken Zeppelinmarke
Die philatelistische Berichterstattung über diese Fahrt beschränkt sich im wesentlichen nur auf die liechtensteinische Zeppelinpost mit ihren zahlreichen Facetten. Über die eigentliche Zeppelinfahrt jedoch findet man kaum Informationen: Immerhin startete die Zeppelinfahrt am 10. Juni 1931 früh morgens um 7 Uhr 43 und führte über Vaduz und Lausanne wieder zurück nach Friedrichshafen, dort landete um 16 Uhr 48 nach einer knapp neunstündigen Schweiz- und Liechtensteinfahrt das Luftschiff wieder.
Bei dieser Zeppelinfahrt handelt es sich um keine gewöhnliche Fahrt, vielmehr wurde das Luftschiff vom Rotary Club aus dem schweizerischen Solothurn gechartert. Während also in Vaduz die Zeppelinpost eingeladen und in Lausanne wieder abgeworfen wurde, vergnügte sich an Bord der Solothurner Rotary Club.
Organisiert wurde die Reise von dem damaligen Präsidenten des Rotary Clubs, Herrn Kofmehl, der diese Zeppelinfahrt mit seiner Frau genoss. Dass sich zunächst 18 Solothurner Rotarier mit 11 Ehefrauen zu dieser Zeppelinfahrt anmeldeten, ist dem Reisetagebuch des Rotarier Eugen Bouch zu entnehmen, in dem er diesen besonderen Ausflug des Rotary-Clubs sehr detailliert dokumentierte. Auch, dass sich kurzfristig noch drei weitere Rotarier anmeldeten, einer kurzfristig absagte und in Friedrichshafen sich der Rotarier-Gruppe noch ein deutscher Oberforstrat anschloß.

Fahrkarte für die Zeppelinfahrt, ausgestellt auf Frau Kofmehl.
Die Solothurner Rotarier fuhren schon am Vortag mit eigenen Automobilen nach Friedrichshafen und verbrachten noch einen gemeinsamen Abend im Friedrichshafener Kurgartenhotel. Am nächsten Tag um 7 Uhr morgens wurde die Gruppe dann von einem Autobus im Kurgartenhotel abgeholt...
Rasch war man im Heimathafen des Luftschiffes Graf Zeppelin, Fahrkartenkontrolle, auf einer hölzernen Treppe an Bord gehen, Luftschiff aus der Halle rollen, abwiegen und hochfliegen, das war das Werk weniger Minuten, dank der vorzüglichen und kundigen Mannschaft. Und nun gings los!
Nach einem kurzen Start und Rundflug über dem Werftgelände und dem Bodensee steuerte das Luftschiff auf direktem Kurs Richtung St. Margrethen und Feldkirch ins Rheintal nach Vaduz, denn dort wurde die liechtensteinische Zeppelinpost aufgenommen.
Und als wir auf der Höhe von Vaduz angelangt waren, schickte er (Anm.: Petrus) uns aus erster Hand recht kräftige Regenböen, die gar nicht nach Gemütlichkeit aussahen. Für die Erstlingsfahrer war das Schütteln und Rütteln des Luftschiffes weniger ein Vergnügen als Sensation, allein man hatte vor lauter Sehen und Beobachten keine Zeit, sich stark mit des Wetters Gewalten zu beschäftigen, denn eben wurden die interessanten Manöver der Postaufnahme begonnen. Unser Schiff würde gewiss ganz stillgestanden haben, wäre es nicht durch den starken Wind triftend getrieben worden, die Führermannschaft verstand es jedoch glänzend, den Wirkungen der Naturgewalten zu trotzen.
In Schaan bei Vaduz wurde die liechtensteinische Post eingeladen: Dafür wurde ein freies Feld ausgewählt, auf dem die Postübergabe stattfinden konnte. Das Luftschiff war nicht etwa gelandet, vielmehr stand das Luftschiff mit laufendem Motoren im Gegenwind fest in der Luft und warf Taue ab. Die Postsäcke mit den liechtensteiner Postbelegen wurden dann in die Taue eingehängt und vom Luftschiff hochgezogen.

Zeppelinpostkarte geschrieben von den Passagieren an Bord, Herrn und Frau Kofmehl. Zusätzliche Signaturen der Luftschiffkapitäne Hans von Schiller und Ernst A. Lehmann.
Nach einer Viertelstunde war die Postaufnahme beendet und das Luftschiff fuhr in südlicher Richtung davon. Über Sargans bog das Luftschiff dann in westlicher Richtung ab und fuhr in 600-800 Metern Höhe über den Walensee. Heftige Windstöße rüttelten am Luftschiff, gleichzeitig aber klarte es auf und blauer Himmel kam zum Vorschein.
Die Kurfirsten (Anm.: Schweizer Bergkette) freuten sich mit uns, das sahen wir an ihrem freundlichen Winken. Rasch ziehen wir voran, alle Fenster sind besetzt, Photoapparate sind in Aktion, die Sonne brennt auf den Pelz, aber was ist das alles gegen die ungeahnten Herrlichkeiten, die kaleidoskopartig, jede Minute wechselnd, unser Auge, unser Herz erfreuen. Es ist unser Vaterland, unsere Heimat, die uns heute durch das Wunder der Technik in so anschaulicher Weise in ihrer schönsten Vorsommerpracht vor Augen geführt wird.
Vorbei am südlichen Ende des Zürichersees und über das Kloster Einsiedeln ging es nach Schwyz und Ingenbohl.
Und nun schweben wir nicht nur über historischer Stätte, sondern über dem Sonnengarten unserer Mutter Helvetia, dem Vierwaldstättersee, dem Herrlichsten aller Herrlichen.
Die angesprochene historische Stätte ist der Rütli, eben jener Platz an dem es 1291 zu dem ewigen Schwur, dem Rütli-Schwur gekommen war, der heute als die Geburtsstunde der Schweiz gilt. Die Fahrt ging weiter über den Vierwaldstätter See nach Luzern und dann nach Süden nach Brünig und Meiringen.
Da kam das höfliche Angebot unseres Ober-Steward: Eine Tasse Kraftbrühe, belegte Brötchen gefällig? Auch an Bord des Graf Zeppelin geht scheints die Liebe durch den Magen. Alle Hände streckten sich nach diesen guten Gaben aus. Nur verschwommen machte sich der Enthusiasmus über der Schönheit der Natur noch bemerkbar. Doch er kam wieder in Fluss durch die göttliche, prickelnde Spende unseres Silberhochzeitspaares, das wir zu unserer aller Freude an Bord begrüssen durften. Lob und Dank sei ihnen heute noch gepriesen.
Wie unendlich lieblich alles daliegt. Unvergesslich bleibt, was nun folgt. Zu unsern Füssen Meiringen hingestreut an den Gestaden des Brienzersees mit all den Nachbarinnen freundlicher Berner-Oberländerdörfer. Und all die riesenhafte Bergeswelt der Alpen, greifbar nahe, verkünden uns neuen Genuss.
Über Interlaken ging die Fahrt weiter über den Thunersee. Über der Stadt Thun wird das Luftschiff von einem Flugzeug begleitet, während die Solothurner Rotarier an Bord ihre Rotarier-Freunde in Thun grüßen. Von dort aus ging es in direktem Flug in Richtung Bern, der Schweizer Hauptstadt.
Ein leiser Luftzug aus der Bordkombüse steigert noch die Genießer-phantasie, doch im selben Moment sind wir schon über unserer Bundesstadt angelangt. Große Begrüßung des gerade versammelten Schweizerparlaments mit ausgeprägtem Rumpfbeugen vorwärts, das kann man mit dem Zeppelin alles machen, Entschuldigungsgeflüster an alle Bundeshausbewohner für die Störung der Ruhe.
Von Bern aus wird eine südwestliche Richtung eingeschlagen und bald darauf Freiburg erreicht. Von oben gesehen, ein herrliches Städtebild. Den Passagieren bot sich eine herrliche Aussicht auf das Jura-Gebirge und später auf die französischen Savoyer-Alpen. Schließlich erreichte man Lausanne am Genfersee.
Noch ein kleiner Ruck von einigen wenigen Kilometern und ein neues Paradies wirft seine Pracht zu uns hinauf, der Lemansee (Anm.: Genfersee)! Sprachlos, versunken, bestaunen wir dieses Werk eines Höheren, im Stillen dem Herrgott dankend für die Gnade, dass er uns dies alles erschauen, erleben lässt.
Doch was soll das, die Motoren laufen langsamer, unser Tempo vermindert sich, ach ja, wir haben Pflichten zu erfüllen, Pflichten des Postillions, denn unmittelbar unter uns bewegen sich viele Leute, Militär, Kinder und sogar Postbeflissene können wir mit bloßem Auge erkennen, wir schweben nur noch, wir befinden uns über dem Lausanner Flugplatz, der Blécherette, da sollen unsere von Vaduz mitgenommenen Postsäcke wieder an Land abgegeben werden. Drei gelbe Fallschirme, jeder mit einem Postsack beschwert, verlassen mit einem Ruck unser Schiff und baumeln sanft der Mutter Erde zu, wo sie von flinken Händen in Empfang genommen werden, um deren Inhalt auf dem ganz profanen Wege mittels Bahn und Post den glücklichen Adressaten zuzuführen.
Das ganze Manöver dauerte einen kurzen Augenblick und mit neuem Gebrause gehts vorwärts, der Kapitale auf den drei Hügeln, Lausanne, zu, laut bejubelt von der jovialen Bevölkerung.

Über dem Genfersee geschriebene und nach Solothurn adressierte Postkarte eines Passagieres der Zeppelinfahrt «...werden in ca einer Stunden über Solothurn sein.»
Über Morges, Rolle und Nyon ging die Fahrt weiter in Richtung Genf. Ein kurzer Blick offenbarte sich in das kosmopolitische Getriebe Genfs, der Bauplatz des neuen Palais des Völkerbundes war zu erkennen. Über Genf wird gedreht und das Luftschiff trat in nord-östlicher Fahrtrichtung seine Rückreise an. In der Zwischenzeit wurde der Mittagstisch gedeckt und zwischen Genf und Yverdon am Neuenburgersee das Mittagessen serviert.

Speisekarte vom Mittagessen an Bord des Luftschiffes LZ-127 GRAF ZEPPELIN anlässlich der Schweizfahrt am 10. Juni 1931.
Nach 13 Uhr wird der Mittagstisch aufgelöst und die Reisenden strömen wieder zu den Fenstern. Mittlerweile befand sich das Luftschiff schon über Estavayer-le-Lac am südlichen Ufer des Neuenburgersees. Herrgott, ist die Welt doch schön! Neuchâtel am Nordufer war zu erkennen, während auf der anderen Seite des Luftschiffes der Murtensee zu erkennen war. Über Le Landeron und den Bielersee ging die Fahrt weiter nach der Zähringerstadt Nidau und Biel. Auf direkter Linie über Grenchen wurde dann über Biberist Solothurn angesteuert, die Heimatstadt der Reisegruppe an Bord.
Solothurn - Ein reizendes Städtebild! Alle Strassen und Plätze belebt von den neugierigen Einwohnern. Auf den Häusern, in den Gärten improvisierte Inschriften, die uns gute Fahrt wünschen, Fahnen gehisst und auf dem Gerüst des St. Ursenturmes schwingt einer das weiße Kreuz im roten Feld, es ist unser lieber Stadtpfarrer Michel, den die Begeisterung in diese Höhen getrieben hat. Dank ihm!
Und nun kreuzen wir lustig und fidel über unserer Heimatstadt, kaum 150 m darüber schwebend und grüßen und rufen. Hei, war das eine göttliche Freude! Beinahe eine halbe Stunde währte dieser Besuch und langsam zogen wir dann ostwärts.
Über Feldbrunnen leuchtete aus dem Garten einer ganz neuzeitlichen Siedlung das Schweizerbanner auf, umgeben von weißen Blumen und umrahmt mit dem Wunsch «Frohe Fahrt»! Über die beflaggten Städte Attisholz und Balsthal ging die Fahrt dann weiter auf nördlichem Kurs nach Liestal und Basel. Das Luftschiff überquerte den Rhein und befand sich kurz über dem deutschen Städtchen Lörrach. Über Rheinfelden ging es über Brugg, Turgi und Baden in südöstlicher Richtung und bald ...fliegen wir in glänzender Schlaufe über Gross-Zürich. Ein ganz großartiger Anblick! Über Winterthur und Frauenfeld ging die Fahrt dann weiter in westlicher Richtung. Kaffee und Kuchen wurde gegen 16 Uhr serviert, während in der Entfernung langsam der Bodensee zu erkennen war.
Noch zwei Schlaufen und das Landungsmanöver beginnt. Die heruntergeworfenen Taue werden von der kundigen Mannschaft gefasst und bald schwebt der Luftriese bezähmt und gefesselt über dem Gelände. Rasch wird er in die Luftschiffhalle gerollt und nun gilts von dessen heimeligen und gastlichen Räumen Abschied zu nehmen. Rasch wie das Einsteigen vollzog sich auch das «Ausbooten». Ein genussreicher Tag war zu Ende. Aber was uns ewig bleiben wird, das ist das Erschaute, das uns die liebe zu unserer Heimat neu gestärkt und gekräftigt hat.
Vivat Helvetia!